Julius Bobke / Wolfgang Günther — Traces in a Sandbox
Julius Bobkes Malerei verbindet klassische Ölfarbe mit plastischen Elementen aus Plastilin, das er schmilzt, formt und in die Fläche einarbeitet, sodass Farbe selbst körperlich wird. Die Leinwände sind dabei oft nicht nur Träger, sondern Teil des Prozesses. Sie werden gefärbt, gebleicht, zerschnitten, neu vernäht, oft nach Monaten wieder aufgenommen und weitergeführt. Dabei trifft Historisches auf Zeitgenössisches, Tragisches auf Komisches, Universelles auf Persönliches. Aus kunsthistorischen Referenzen, Popkultur und eigenen Beobachtungen formt Bobke vielschichtige Bildwelten: Motive werden vermischt, übermalt, überknetet und immer wieder neu zusammengefügt. Seine präzise Vermischung von Form, Material und Motiv schafft dabei eine unverwechselbare Bildsprache. Die Arbeiten leben von Spannungen, die er nicht auflöst, sondern sichtbar macht. Dies geschieht mit einem genauen Gespür für das Material und einem Humor, der seiner Praxis eine eigene Leichtigkeit gibt.
Die künstlerische Arbeit von Wolfgang Günther setzt sich unter anderem mit Phasen des Übergangs in der menschlichen Reifung sowie der Wahrnehmung und Selbstbetrachtung auseinander. In seinem Werk nutzt er meist das Porträt als Medium, um diese Dynamiken greifbar zu machen. Die Darstellungen reichen dabei von der Entstehung geschlechtsneutraler Gestalten und der Bestimmung ihrer Physis bis hin zum völligen Verlust ihrer individuellen Züge und menschlichen Attribute. Günther widmet sich einer beständigen Einordnung von Motiven wie sich verändernden Körpern in abstrakten Umgebungen oder der Darstellung einsamer Gestalten. Diese Figuren gewinnen ihre Wirkung ausschließlich durch ihre pure, körperliche Präsenz. Sie fordern die Betrachtenden dazu auf, bestehende Vorstellungen über das eigene Ich zu hinterfragen – eingebettet in ein Menschenbild, das sich im ständigen Wandel befindet.
Julius Bobke
geboren 1992 in Schweinfurt, studierte an der Universität der Künste Berlin und schloss 2017 als Meisterschüler ab. Er wurde mit dem Preis der Ulrich und Burga Knispel-Stiftung ausgezeichnet, erhielt das Neustart Kultur-Stipendium sowie das Atelierstipendium der Deutschen Bank. 2025 erschien seine erste Monografie. Er lebt und arbeitet in Berlin und wird von der Galerie Nina Mielcarczyk, Hamburg, vertreten.
Wolfgang Günther
1990 in München geboren, studierte zunächst von 2015 bis 2018 an der Hochschule für Künste Bremen Malerei und Zeichnung, um dann im Jahr 2021 sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg als Meisterschüler abzuschließen. Er erhielt im Jahr 2020 das Max-Ernst-Stipendium der Galerie am Schloss in Brühl und 2021 den Max-Pechstein-Förderpreis der Kunstsammlungen Zwickau. Zuletzt stellte er in Mailand, New York und Wien aus.
Julius Bobke
Wolfgang Günther
Traces in a Sandbox
Ausstellungsdauer 13.09. – 15.11.2026
Eröffnung: 12 09.2026, 19 Uhr


